Ältere Dame sitzt am Kaffeetisch und zeigt ein Stoffsäckchen

Hedwig Wiggermann

  • Sie fuhr mit dem Fahrrad zu den Menschen in der Bauerschaft Holtwick
  • Das Gespräch mit den Gastgebern stand für sie im Mittelpunkt
  • Sie freute sich, die Menschen am Gemeindeleben teilhaben lassen zu können
     

"Sammeln bedeutete mir auch immer, etwas zu geben – ich habe oft Leben zu den Menschen gebracht und bin selbst bereichert nach Hause gefahren."

„Dieses kleine Säckchen ist nie schwerer geworden.“ Hedwig Wiggermann lächelt, wenn sie den Stoffbeutel zeigt, den sie vor vielen Jahren einmal geschenkt bekam. Das fehlende Gewicht war immer ein gutes Zeichen, sagt sie. „Dann waren nur Scheine drin.“ Mehr als 40 Jahre hat sie das erleben können. So lange war die 86-Jährige für die Caritas-Sammlungen in St. Laurentius in Haltern am See im Einsatz.

Ältere Dame sitzt am Kaffeetisch

Schöne Erinnerungen an die Haus-Sammlungen: Hedwig Wiggermann kann viele Geschichten und Anekdoten erzählen.

Sie wurde immer hereingebeten

„Ich habe nie hingesehen, wenn die Menschen etwas in den Beutel gesteckt haben.“ Das war für sie zweitrangig, sagt sie. „Viel wichtiger war es, für ein paar Momente mit ihnen zu sprechen, zu hören, wie es ihnen geht, und zu erzählen, was in der Pfarrgemeinde so los ist.“ Oft wurde aus diesen Augenblicken mehr – ein längerer Plausch am Küchentisch, ein tiefes Gespräch auf der Wohnzimmer-Couch. „An der Tür hat mich nie jemand stehen lassen, ich wurde immer hereingebeten.“
 

Ich habe bei meinen Besuchen viel Einsamkeit und die Sehnsucht nach der Gemeinschaft in der Pfarrgemeinde erlebt.

Denn sie brachte von Beginn an das Leben zu den Spendern, an dem diese oft nicht mehr teilhaben konnten. „Es waren vor allem alte und kranke Menschen, die nicht mehr so mobil waren.“ Neben den Informationen aus dem Leben rund um den Kirchturm waren es im Gegenzug immer auch die Alltagsgeschichten der Gastgeber. „Ich erfuhr viel von dem, was sie gerade bewegte.“ Und konnte nicht selten Rat geben und trösten. Auch die Vermittlung von Hilfe kam vor. „Einmal habe ich mit einer alten Dame ihre Anmeldung im Altenpflegeheim organisiert.“ Ein anderes Mal sorgte sie dafür, dass einer kranken Frau die Kommunion daheim gespendet wurde.

Abschied mit dem guten Gefühl, Gutes getan zu haben

Sie hatte ein Ohr am Leben der Menschen in der Bauerschaft Holtwick bei Haltern, die schon früh zu ihrem Sammelgebiet wurde. „Sie ließen mich an ihrem Leben teilhaben und ich brachte die Kirche zu ihnen.“ Zurück kam sie nie belastet, sagt Wiggermann. „Ich war bereichert, hatte dazu gelernt und das gute Gefühl, etwas Gutes getan zu haben.“

„Es war schön zu erleben, wie die Menschen auf mich gewartet haben, sich auf meinen Besuch freuten.“

Das hatte sie von Beginn an. Schon als junge Mutter von zwei Töchtern begann sie, sich im Kreis der Gemeinde-Caritas einzubringen. „Zur Erholung“, sagt sie. „Das waren meine Auszeiten vom Alltag.“ Die immer mehr wurden, als die Familiensituation es zuließ. Nicht nur in der Sammlung engagierte sie sich, auch bei sozialen Projekten, eine lange Zeit als Leiterin der Gruppe. Und so war sie immer auch an der Organisation beteiligt, wie die Spendengelder ihren Weg zu den Menschen mit Hilfe-Bedarf fanden.

Stolz auf ihr Engagement

„Da war alles dabei“, erinnert sich Wiggermann. „Von Lernmaterial oder Obst für Schulkinder über Grundausstattungen für junge Familien bis hin zur Waschmaschine für Menschen in einer akuten finanziellen Notlage.“ Wichtig war ihr immer, dass sie davon den Spendern erzählte, damit diese wussten, was sie mit ihrem Geld bewirkten.
Auch wenn das Geld für sie nie der erste Grund war, an den Türen zu klingeln. Sie ist schon ein wenig stolz, dass sie bis zuletzt meist über 500 Euro sammeln konnte. „In zwei Wochen, bei etwa 30 Gastgebern.“ Seit zwei Jahren fährt sie dafür nicht mehr mit ihrem Rad in die Bauerschaft. Sie war die letzte Aktive, bevor die Sammlung vollständig auf Überweisungsträger umgestellt wurde. Ihr Stoffbeutel kommt nicht mehr zum Einsatz, die Spenden kommen jetzt über andere Wege.

Text: Michael Bönte / Caritasverband für die Diözese Münster